Folge 1.19: Nachwirkungen

Callaghan grinst: „Spätestens jetzt sollten die Leute anfangen, Fragen zu stellen!“ Doch Wells wiegt den Kopf hin und her. Er wirkt skeptisch. Esther zuckt die Schultern: „Wenigstens ist der Container intakt angespült worden. Bis auf die paar Teile, die vom Deck des Schiffs wieder ins Meer geprasselt sind, haben wir nichts ins Meer gebracht. Und niemand hat gesagt, dass wir mit zwei Anschlägen ins Gespräch kommen. Wir werden weiter machen.“ Chartrand nickt, kommentiert dann aber: „Nun wirst du dich aber erst einmal wieder brav als Charles‘ lustige Witwe präsentieren, damit niemand auf dumme Ideen kommt. Nebenbei halte ich es auch für sinnvoll, dass du beim nächsten Anschlag artig in Honolulu am Strand liegst und dich von Will Sanders eincremen lässt.“ Esther schluckt, dann nickt sie. Marsh nickt und wirft ein: „Vielleicht kommen sie nie auf die Idee. Aber wenn sie auf die Idee kommen, sollten wir nicht erst dann ein Alibi für dich haben. Für mich übrigens auch.“ Chartrand nickt ebenfalls, Wells grinst: „Ihr beginnt zu denken wie Terroristen. Gut so. Dann leben wir alle länger.“ Callaghan braucht sichtlich all seine Beherrschung, um nichts dazu zu sagen. Als auch niemand sonst noch etwas sagt, geht Chartrand zusammen mit einer Rudergängerin und dem Orter nach hinten zu den Kojen. Sally schiebt Esther ebenfalls dorthin: „Wir sollten noch eine Runde schlafen. Es sind noch mindestens zehn Stunden bis Hawaii.“ Wells übernimmt die Zentrale, während Callaghan nach vorne geht, wo das Gebläsekatapult und das Förderband stehen. Er streicht über das Band, dann murmelt er: „Das ist erst der Anfang. Sie werden Fragen stellen. Spätestens, wenn wir wirklich vitale Punkte treffen!“ Doch dann schreckt er auf. Erst nach einigen Atemzügen beruhigt er sich, die Schritte im Gang hat er sich wohl nur eingebildet. Ruhig gleitet „Aphrodite“ weiter in Richtung Nordosten – in Richtung Hawaii.

Senator Fielding lehnt sich in seinem Sessel zurück. „Was soll diese Frage?“, fragt er den Reporter der New York Times, der ihm gegenüber sitzt. Doch bevor der Journalist sich erklärt, fährt der Politiker fort: „Dorothy ist meine Frau, ja. Die Familie ist aber privat, und mein Amt hier ist politisch, Dorothys Engagement in der Firma ihres Vaters ist geschäftlich. Ich weiß nichts über die Umtriebe in der Firma und ich frage sie auch nicht. Sie erzählt es mir nicht. Wir haben eine tolle Ehe, weil das Geschäftliche und das Politische dort bleiben, wo sie zu bleiben haben – ersteres in Oakland, California in der Konzernzentrale, letzteres hier in Washington.“ Auch die nächste Frage bringt den Politiker nicht aus dem Konzept: „Sie sitzen im Wehrausschuss, Howard Industries hat für die Navy gearbeitet. Kann man das überhaupt trennen?“ Der Senator lächelt, schüttelt den Kopf und erwidert: „Ich könnte es sicher nicht trennen, wenn die Informationen so konkret wären. Wir erhalten Einschätzungen, die anonymisiert sind. Zumindest ich lege Wert darauf, nicht in einen Gewissenskonflikt zu geraten.“ Nach einigen weiteren Fragen zu anderen Themen ist Fielding wieder allein. Er erkundigt sich bei seiner Sekretärin, ob weitere Termine anstünden, doch das ist nicht der Fall. Fielding vertieft sich in ein Manuskript einer Rede, das er von seinem Kollegen aus Nevada erhalten hat. Doch die Zeilen verschwimmen ihm vor den Augen, schließlich hebt er den Hörer seines Telefons ab und ruft seine Frau an. Sie kommt gleich zur Sache: „Hallo Henry – solltest du nicht gerade von der New York Times interviewt werden?“ Umständlich erklärt der Senator seiner Frau, dass der Reporter schon wieder gegangen sei, dass ihm die Konzentration zum Lesen einer Rede fehle und dass er über mögliche Interessenkonflikte nachdenke. Dorothy klingt nachdenklich: „Erzähle ich dir zu viel oder zu wenig vom Geschäft, mein Schatz?“ Fielding zuckt die Schultern, was Dorothy zu erahnen scheint. „Darüber musst du dir klar werden, Henry. Dann kann ich danach handeln. Du kannst schlechte Presse über eine Verquickung von Politik und Geschäft nicht brauchen. Für mich und meine Arbeit wäre das fast noch schlimmer.“ Seufzend erklärt er, er werde darüber nachdenken. Dann fragt er: „Wann kommst du nach Washington? Oder sollen wir uns zuhause in Augusta ein schönes Wochenende machen?“ Doch zu beidem kann sie noch nichts sagen und vertröstet ihn. Resigniert legt er auf. Dass seine Karriere im Repräsentantenhaus, später im Senat, ihn ähnlich oft von gemeinsamer Zeit mit ihr abhielt, wie es nun bei ihr mit der Übernahme von Howard Industries der Fall ist, kommt ihm nicht in den Sinn.

„Ich will nach Hawaii!“ Anwältin Ames schüttelt den Kopf: „Warum, Mai? Um was genau zu tun?“ Die junge Japanerin starrt Ames entschlossen direkt in die Augen. Als Mai Sakamoto keine Antwort gibt, lächelt sie und drückt auf einen Knopf auf ihrem Telefon, ordert von ihrer Sekretärin eine Tasse Kaffee und eine Tasse Grüntee. „Sencha, wäre das in Ordnung, Mai?“ Höflich fragt Mai, ob sie stattdessen Bancha bekommen könne. Die Sekretärin erwidert in resigniertem Ton, sie werde sehen, was sich machen ließe. Liz steht auf, geht um ihren Schreibtisch herum und schaltet den Fernseher an. CNN bringt nur eine Kurznachricht zu dem angespülten Container auf Guam und dem Plastikteilregen auf dem Containerschiff. Als sie sich neben Mai auf der Klientenseite des Schreibtisches auf die Kante setzt, spricht sie deutlich leiser als zuvor: „Dein Vater will das nicht. Mrs. Howard hängt davon ab, dass alle, die Bescheid wissen, dichthalten. Das ist dir doch klar?“ Mai erwidert erstaunt: „Sie glauben, sogar hier in ihrem Büro abgehört zu werden?“ Liz zwinkert: „Man kann nie vorsichtig genug sein, junge Dame. Nicht, wenn es um so etwas geht. Also, bist du bereit, die Mission zu gefährden, um an ihr teilzunehmen?“ Mai schließt die Augen halb und lächelt ausdruckslos. Sie wartet ab, bis die Sekretärin den Tee und den Kaffee gebracht und das Büro wieder verlassen hat. Dann flüstert sie: „Ich werde meinen Vater überzeugen, dass er mich mitmachen lässt. Dann ist es nur meine Schuld, dass ich mitmache, und er wird nichts sagen, um mich nicht zu gefährden.“ Liz nippt an ihrem Kaffee, nach der dritten Wiederholung der Berichte aus dem Westpazifik schaltet sie den Fernseher wieder aus. Eine halbe Stunde lang unterhalten sich die Anwältin und die Musik-Studentin über belanglose Themen, Mai leert ihren Tee darüber, Liz ordert sich eine weitere Tasse Kaffee. Als Mai gegangen ist, schüttet sie einen Schluck Whisky in den Rest des Kaffees: „Wenn Corey nicht schon tot wäre, sollte man ihn erwürgen“, erklärt sie dem dunklen Fernsehbildschirm. Dann macht sie sich an die Durchsicht eines korrigierten Schriftsatzes. Als sie diesen gelesen hat, legt sie ihn in den Postausgang, setzt sich wieder an ihren Rechner und beginnt, einen Brief an den Notar Aldred zu verfassen, der Charles B. Howard über fast ein halbes Jahrhundert begleitet und seine Testamente verwaltet hat. „Wenn ich das öffentlich sagen könnte, was ich schon längst weiß, wäre es leichter – ganz ohne diesen Fight mit Bob. Andererseits… vielleicht ist es besser, dass man nicht alles öffentlich sagen kann, was man weiß.“ Bei dem zweiten Satz ihres Selbstgesprächs muss sie grinsen. Sie beschließt, beim nächsten Treffen mit Cristina Benitez zu erzählen, was eigentlich der Auslöser für Bob Landsmans Hass auf sie gewesen ist. Die Vorstellung von Cris Benitez‘ Miene über diese Offenbarung intensiviert das Grinsen.

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